Die Modellgeschichte des T2
August 1967-
Der neue T2 erscheint. 47 PS stark und mit der Trommelbremsanlage des
Vorgängermodells. Ziemlich laut ist er innen, denn an der Gummiaufhängung
der Motor / Getriebeeinheit und an der Lärmdämmung etwa der Türen
experimentiert VW noch. Immerhin haben wir aber eine Schräglenkerhinterachse
und eine ungeteilte Frontscheibe. Nur Pannen dürfen wir keine haben,
es fehlt noch eine Warnblinkanlage.
August 1968-
Die Druckknopftürgriffe - ein Relikt des Vorgängermodells-
entfallen ebenso wie die Verriegelungsknöpfchen an den Türen,
der Dieb hat es fortan etwas schwerer, denn sie sind nun in die Türinnengriffe
integriert. Schade ist es um den verchromten Innenspiegel - er ist fortan
aus Kunststoff, dafür aber auf Wunsch auch abblendbar zu bekommen.
Jetzt darf unser Bus auch mal
kaputtgehen, denn fortan gibt es eine serienmäßige Warnblinkanlage.
August 1969-
Keine Angst mehr vor dem großen Crash - Die Front wird am Bodenblech
durch zwei zusätzliche, seitlich abspreizende Holme verstärkt.
Eine zusätzliche Rahmenstrebe sorgt auch dafür, daß es
beim Zuwerfen der vorderen Türen nicht mehr gar so arg scheppert.
Die Befestigungsschrauben der Vorderachse in den Radkasten stehen jetzt
14, statt wie bisher 10 Zentimeter auseinander, die Aufnahme der hinteren
Radlager, die Bremstrommeln und die Bremsankerbleche werden geändert.
Der Innenspiegel baumelt fortan nicht mehr in Augenhöhe des Fahrers
und behindert seine Sicht, sein Arm wurde um 2 Zentimeter verkürzt.
Der Schalthebel dafür verlängert, damit man sich nicht mehr so
tief nach den Gängen bücken muß.
August 1970-
Wer immer noch Angst hat, sei fortan beruhigt. Ab jetzt gibt es eine
Scheibenbremsanlage für alle Busse, auf Wunsch mit Bremskraftverstärker.
Schön auch, daß VW sich letztes Jahr so viel Mühe mit den
hinteren Bremsen und Radlagern gemacht hat, dieses Jahr werden sie noch
einmal überarbeitet. Dazu gibt es dann auch verbreiterte hintere Radläufe
und breitere Felgen.
Bei so einer Bremsanlage kann man dem Bus auch mehr Leistung zugestehen.VW
gibt uns denn auch mutige 3 PS in Form des AD - Motors mit Doppelkanalzylinderköpfen
und größeren Vergaser. Jetzt können wir mit 50 PS fliegen.
August 1971-
Ein neuer Hintern. Der entnervte Sportwagen-Fahrer hinter uns
darf sich über unsere großen Heckleuchten und die eckigen großen
Kühlufteinlässe freuen.Vielleicht fällt ihm auch auf daß
die Motorklappe etwas schmaler ist, und daß das Heckblech nicht mehr
abschraubbar ist. Aus Gründen der Unfallsicherheit, falls er uns hinten
drauffährt. Sein Hupen können wir jetzt hören,
denn durch eine geänderte Aufhängung des Getriebes (jetzt
auch an der Kupplungsglocke an der Karosserie befestigt) und neuer Gummisilentblöcke
für den Motorhaltebügel hat das Innengeräusch die 100 dbA
Grenze unterschritten.
Auch das Überholen können wir ihm schwerer machen, wenn wir
uns für den 66 PS- Motor entschieden haben, den es jetzt auf Wunsch
gibt. Die ,,Computer"-Diagnose (Lochkarten) hält Einzug bei VW, ein
großer Stecker im Motorraum erlaubt den Anschluß der unaufwendigen
Apparatur. Sportlich ausgestellte vordere Radläufe erhöhen unser
Sex- Appeal.
August 1972-
Wem die Kastenstoßstangen beim Käfer schon immer störten,
wird nun gequält aufheulen, denn nun hat auch der Bus welche. Doch
immerhin können wir uns jetzt mutig einem Frontalzusammenstoß
hingeben, denn hinter der vorderen Stoßstange sitzt noch ein zusätzliches
Prallelement. Safty first - auch die Bremsanlage wird vorne noch einmal
verstärkt. Die Blinker wandern nach oben, neben das Lufteinlaßgitter.
Am VW-Zeichen wird gespart, es schrumpft um einige Zentimeter im Durchmesser.
Unsere Oberarme bald auch, denn ein neues Lenkgetriebe vermindert fortan
die Lenkkräfte um 20%. Endlich zeigt man uns auch, wofür die
blauen und roten Hebelchen am Armaturenbrett sind, Symbole klären
uns auf : rot ist für Heizung ein/ aus (links) und Füße
grillen oder Scheibe befeuern (rechts). Blau hat verloren, es gibt nur
noch einen Hebel: Lüftung ein/ nicht ganz aus. Es gibt dafür
noch einen weiteren Hebel an der Lenksäule: VW hat beschlossen, daß
der Scheibenwischer fortan von hier aus bedient wird.
August 1973-
Der 50 PS-Motor hat fortan den Kennbuchstaben AS, er ist nicht schneller
geworden, hat aber ein verstärktes Gehäuse und produziert gerüchtehalber
weniger Abgase. Die Leistungsorgie beim Flachmotor erreicht einen neuen
Höhepunkt. 68 PS bei 1,8 Litern Hubraum. Die Tankklappe entfällt,
nun kann man nicht mehr vergessen, sie zu schließen.
August 1974-
Wir sind keine Unmenschen- der Autodieb darf wieder herein, die Türen
haben wieder ein Knöpfchen. Daß unsere Zeit immer knapper wird,
erkennen wir jetzt am Sekundenzeiger der Uhr. Am Zündschloß
verbiegen wir uns fortan unser Handgelenk, der Schlüssel wird nun
von oben hineingesteckt. Der Außengriff der Schiebetür sieht
jetzt ganz anders aus und auch das Schloß
sitzt nicht mehr direkt in ihm drin, funktionieren tut er aber immer
noch nicht besser. Der Horror eines jeden geschmacklich versierten Busfahrers
erscheint : die braune Innenausstattung. Sie wird begeistert gekauft, geme
in Kombination
mit solch verwirrenden Farbn wie ,,nilgrün" oder,,leuchtorange"
August 1973-
Damit wir ob der Farbenvielfalt im Innenraum unseres Autos nicht erblinden,
sind die Instrumente fortan in schwarz gehalten, Exstase im Typ 4-Bus:
ab sofort liegen 70 PS aus 2 Litem Hubraum an. Auch ein verstärktes
Getriebe gibt es hier für nun. Aufgrund verschärfter Abgasbestimmungen
frickelt VW an den Vergasern aller Modelle herum : die Leerlaufdrehzahl
steigt,
der CO-Gehalt sinkt angeblich. Preisfrage : Hat es je jemand bemerkt?
August 1976-
Askese ist angesagt: Kleinere Einlaßventile beim 50 PS- Motor
und der Wegfall der Trennwand hinter den vorderen Sitzen (bei Einzelsitzen)
stehen an. Um die Leistung beim 1,6 Liter-Motor zu beherrschen, wird die
Kupplung im Durchmesser auf 215 statt wie bisher 200 mm erhöht.
August 1977-
Das Zeitalter des Computers ist vorbei . zumindest bei VW. Der ,,Diagnosestecker"
im Motorraum entfällt. Wenn wir ins Lenkrad beißen wollen, brechen
wir uns nicht mehr die Zähne aus, es ist jetzt stärker gepolstert.
Die großen hinteren Schiebefenster, um die sich heute alle balgen,
werden eingeführt.
August 1978-
Gott sei Dank es gibt nun Dreipunktgurte serienmäßig und
der,,Silberfisch" kommt heraus! Schiebedach, 70 PS- Motor, Chromstoßstangen,
Colorverglasung, Metalliclack und Veloursinnenausstattung in dunkelblau
erleichtem uns den zum nächsten Modellwechsel anstehenden Abschied.
Juli 1979-
Aus, finito, futschikato! Die Produktion des T2 wird eingestellt. Der
eckige T3. Bus erscheint. Sieht zwar eklig aus, hat aber immerhin den Motor
noch dort, wo er hingehört . am A...
So, nun haben wir eine grobe Übersicht über die Modellentwicklung
der Jahre 67 - 79. Im folgenden werde ich des öfteren von T2a und
b sprechen. Als "a" habe ich die Modelle bis 71 bezeichnet, der "b" ist
bei mir der Bus mit den Kastenstoßstangen ab August 1972, Das 72er
Modell heißt 72er Modell(!).
Diese Modellübersicht stammt von einem
mir nicht bekannten Autor und war im Bus Kurier Ausgabe 13 (12/97) abgedruckt.
Der Bus Kurier ist die Vereinszeitschrift der
Interessengemeinschaft
T2-Freunde des VW-Busses 1967-79
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WA 07.07.98